„Wir sind keine Barbaren!“ – Theaterworkshop mit Philipp Löhle

CoverPhilipp Löhle, international erfolgreicher Theaterautor aus Berlin, war am 6./ 7. Juli zu Gast bei den jungen Schauspielern des Nuovo Teatro Sanità, um die Inszenierung seines Stücks „Wir sind keine Barbaren!“ unter der Leitung von Mario Gelardi für die Theatersaison 2016/2017 vorzubereiten. Der Hausautor des Maxim-Gorki -Theaters half bei der Erarbeitung und die Schauspieler revanchierten sich mit einem Spaziergang zum berühmten Friedhof der Fontanelle.

Für Philipp Löhle ist es nicht das erste Mal in Neapel. Schon im Januar 2016 war er vom Goethe-Institut zur Neapelpremiere seines Theaterstückes „Genannt Gospodin“ am Teatro Bellini eingeladen worden. Diesmal kommt er für einen Workshop zu seinem Stück „Wir sind keine Barbaren!“, in dem es um Flucht und Vorurteile gegenüber Flüchtlingen geht. Kaum in Neapel angekommen, geht es hinein in die Sanità, ein sozialer Brennpunkt der Stadt.

Philipp Löhle 23-Blog

Vor dem Nuovo Teatro Sanità warten auf ihn schon voller Erwartung die jungen Schauspieler und der Regisseur Mario Gelardi, der den Jugendlichen der Sanità mit seinem Theaterprojekt neue Perspektiven eröffnen will. Er steht den Jugendlichen mit professionellen Tipps zur Seite und hilft ihnen, sich an Theaterschulen fortzubilden. Dank seines Engagements und mit Unterstützung des Goethe-Instituts wird Philipp Löhle den Jugendlichen dabei helfen, sein Stück „Wir sind keine Barbaren!“ besser zu verstehen.

Philipp Löhle 8. gutjpg

In der Kühle des Theaters, das sich in der ehemaligen Kirche San Vincenzo befindet, wird gelesen und intensiv diskutiert, bei caffé und stuzzichini. Was beabsichtigt der Autor? Wie sollen die Charaktere interpretiert werden? Und ist all das für ein italienisches Publikum verständlich? Philipp Löhle bekommt schnell einen Einblick in das Können der Schauspieler. Und die Schauspieler lassen sich nicht die Chance entgehen, den Gast aus Deutschland über seine Erfahrungen als Dramaturg auszufragen.

Cimitero_delle_fontanelle_01

Nach den beiden Tagen intensiver Arbeit bedankt sich die Compagnie mit einer persönlichen Führung durch die Sanità und den Friedhof der Fontanelle, ein Friedhof der etwas anderen Art. An den Wänden der Tuffsteingrotte stapeln sich Knochen und Totenköpfe. Wer all diese Menschen waren, weiß man heute nicht mehr. Überall sieht man kleine selbstgebaute Schreine, in denen Totenköpfe liegen, manchmal mit Rosenkränzen behangen, manchmal mit Beigabe von kleinen Bildchen und Zetteln. Die Jugendlichen erklären, dass es sich dabei um einen neapolitanischen Brauch handelt. Neapolitaner adoptieren die Skelette und im Gegenzug erfüllen die Seelen der Toten ihnen kleine und große Gefallen: Genesung bei Krankheiten, einen gute Partie für die Tochter etc.
Zurück im Theater bekommt Philipp noch einen caffé und einen Rundgang durch die Theater-Kirche spendiert. Sie war lange Zeit verlassen. Die Jugendlichen haben sie aus eigener Kraft restauriert und in ein Theater verwandelt. Stolz zeigen sie Philipp Löhle den Kirchenkomplex und erzählen, wie das Theater entstanden ist und mit welchen Schwierigkeiten sie kämpfen mussten.
Am Ende des Tages geht ein erfolgreiches deutsch-italienisches Künstlertreffen zu Ende. Doch für die Jugendlichen und Regisseur Gelardi beginnt die eigentliche Arbeit erst jetzt. Mitte Oktober findet die Premiere von „Wir sind keine Barbaren!“ statt, natürlich wieder mit Philipp Löhle.

Bis dahin euch allen einen schönen Sommer, Maike