Den Vesuv ertasten – ein Gespräch mit Maya Schweizer

Maya Schweizer ist eine französische Filmemacherin, die in Berlin lebt und sich als ihr nächstes Projekt den Vesuv ausgesucht hat: Sie möchte einen experimentellen Film über den mächtigen Vulkan drehen, der über Neapel thront. Aus diesem Grund war sie für mehrere Tage in Neapel. Bei der Gelegenheit habe ich sie getroffen und ihr ein paar Fragen gestellt.

Wie bist du auf das Projekt gekommen und auf den Vesuv?

Meine letzten fünf Filme handeln von Denkmälern und davon, wie man die Erinnerung in Stein festhalten kann, sie also ‚versteinert‘. Das ist jetzt vielleicht eine Weiterentwicklung davon.
Die Idee hat sich entwickelt, als ich vor zwei Jahren auf dem Vesuv war und das erste Mal diese Postkarten von 1944 gesehen habe, mit Luftaufnahmen der britischen und amerikanischen Armeen, die Neapel befreien wollten. Sie sind von dem Ausbruch des Vulkans überrascht worden und es sind einige ihrer Flugzeuge abgestürzt.

Was ist das Besondere an deinem Projekt?

Was ich interessant finde, ist, dass es sich sehr auf die Textur des Vulkans bezieht und unterschiedliche Ebenen hat. Ich fange mit der geschichtlichen Ebene an und versuche daraus drei Zeitebenen zu entwickeln, mit Bildern des Vesuvs heute und einer möglichen Simulation, wie es morgen aussehen könnte. Es ist also eine Entwicklung durch die Zeit und eine Recherche zu dem natürlichen ‚Monument‘.

Maya Schweizer, Foto: Anita Schnierle / Goethe-Institut Neapel

Maya Schweizer, Foto: Anita Schnierle / Goethe-Institut Neapel


Willst du den Zuschauern mit deinem Film etwas Bestimmtes zeigen?

Ich weiß noch nicht genau, ob das wirklich ein Film sein wird, oder eine Filminstallation. Das Format ist noch ganz unklar, aber das Experimentelle ist auf jeden Fall dabei. Es geht auch darum, mit anderen Medien zu zeigen, wie man recherchieren kann, wie zum Beispiel so ein Ausbruch stattfinden kann oder wie die Möglichkeiten sind, das vorausschauend zu planen.

Was hat dich an Neapel beeindruckt oder dir besonders gut gefallen?

Natürlich war die schönste Arbeit die ganze Recherche zum Vesuv, zusammen mit dem Vulkanologen, Geologen und Technikern des  Observatoriums.
Und auch die Stadt hat mir einfach gut gefallen. Ich mag es, durch die kleinen Gassen zu laufen und ich war am Cimitero delle Fontanelle und finde die Beziehung, die die Leute zum Tod haben, sehr interessant und auch ganz besonders.
Außerdem finde ich die besetzten, selbstverwalteten Räume der Stadt spannend, die von sozialen Organisationen und jungen Leuten zum Beispiel als Theater genutzt werden, oder um Aktivitäten für Kinder zu organisieren.