Neapel – eine doppelbödige Stadt

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Ole Schneider ist Doktorand der Germanistik an der Universität Münster. Im September kam er für ein Forschungssemester nach Neapel – eine Stadt, die er noch nie zuvor besucht hatte.

Du hast dich spontan entschieden ein Semester in Neapel zu verbringen, warum?

Ich erhielt die Einladung von einer Germanistin der Orientale für drei Monate nach Neapel zu kommen und nahm das Angebot sofort an.

Was hat sich für dich verändert seitdem du in Neapel lebst?

Ich frühstücke nicht mehr so oft zuhause, sondern meistens in der Bar. Dort nehme ich erst einmal meinen Kaffee ein und esse dazu eine Sfogliatella oder eine Brioche, das habe ich in Deutschland so nicht gemacht. Eine neue Erfahrung war für mich zudem der stete Konsum des Kaffees, der im Stehen an der Bar eingenommen wird.

Wie war die Eingewöhnungsphase für dich?

Mein erster Tag war schlimm, es schüttete wie aus Eimern, und Materdei, das Viertel in dem ich wohne, wirkte dadurch sehr trostlos. Eigentlich ist Materdei kein schlechtes Viertel, aber es gibt schon viele Gebäude, die etwas heruntergekommen sind und etwas Morbides haben. Ich habe zuvor in Münster gelebt und deshalb schon einen gewissen Kulturschock erlebt [lacht].

…und wie ging es weiter?

Die darauffolgenden Wochen waren dann wesentlich besser, ich habe die Stadt in all ihren Facetten und Widersprüchen kennengelernt; das Wetter wurde besser und es hat sich dann doch auch so manches an der Uni als sehr gut erwiesen, z.B. der Sprachkurs, den ich dort machen konnte und am Ende hat alles besser geklappt, als ich es erwartet hatte.

Eine etwas abstraktere Frage: Welchen Geruch hat die Stadt für dich?

Welchen Geruch! [überlegt] Der Geruch Neapels ist für mich eine Mischung aus einer angenehmen Meeresbrise und einem gewissen Fäulnisgeruch. Er löst bei mir daher auf der einen Seite Glücksgefühle, auf der anderen Seite ein Gefühl von ungelösten Problemen aus.

Angenommen, du müsstest die Stadt mit einem Adjektiv beschreiben, für welches würdest du dich entscheiden?

Das ist schwierig… doppelbödig würde ich sagen, das Gefühl eines doppelten Bodens ist sehr präsent.